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| Die große Lüge über Afghanistan |
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| Geschrieben von: Wolfgang Jung, Luftpost Kaiserslautern |
| Freitag, 31. Juli 2009 um 21:45 Uhr |
Malalai Joya, die mutige junge Frau, die wegen ihrer offenen Kritik an den herrschenden Zuständen aus dem afghanischen Parlament ausgeschlossen wurde, tritt nun auch den westlichen Lügen über die tatsächliche Situation in ihrem Land entgegen.Die große Lüge über Afghanistan Mein Land wurde nicht befreit, es wird immer noch von den Warlords kontrolliert, und die NATO-Okkupation vergrößert nur deren Macht. Von Malalai Joya THE GUARDIAN, 25.07.09 Im Jahr 2005 war ich die jüngste Person, die in das neue afghanische Parlament gewählt wurde. Frauen wie ich, die sich um eine (politische) Position bewarben, wurden als Beispiele dafür angeführt, dass der Krieg in Afghanistan die Frauen befreit habe. Aber diese Demokratie ist nur Fassade, und die so genannte Befreiung ist eine große Lüge. Im Namen meines schon so lange leidenden Volkes spreche ich allen Menschen in Großbritannien, die ihre Lieben auf afghanischem Boden verloren haben, mein herzliches Beileid aus. Wir teilen den Kummer der Mütter, Väter, Ehefrauen, Söhne und Töchter der Gefallenen. Meiner Meinung nach sind diese britischen Verluste – wie die vielen tausend zivilen afghanischen Toten – Opfer einer ungerechten Politik der Nato-Länder unter Führung der US-Regierung. Fast acht Jahre nach dem Sturz des Taliban-Regimes sehen wir uns um unsere Hoffnungen auf ein wirklich demokratisches und unabhängiges Afghanistan betrogen – durch die weiter andauernde Herrschaft der Fundamentalisten und eine brutale Besetzung, die im Grunde genommen nur den strategischen Interessen der USA in dieser Region dient. Sie sollten begreifen, dass die von Hamid Karsai geführte Regierung voller Warlords und Extremisten steckt, die wegen ihrer Einstellung Brüder der Taliban sein könnten. Viele dieser Männer begingen während des Afghanischen Bürgerkrieges in den 90er Jahren furchtbare Verbrechen am afghanischen Volk. Weil ich offen meine Meinung vertreten habe, wurde ich aus dem Parlament ausgeschlossen. Ich habe zahlreiche Mordversuche überlebt. Die Tatsache, dass man mir mein Mandat genommen hat, während brutale Warlords Immunität genießen und deshalb nicht für ihre Verbrechen angeklagt werden können, sagt alles, was Sie über diese "Demokratie" wissen müssen, die auch noch von NATO-Truppen gestützt wird. Nach unserer Verfassung ist es Kriegsverbrechern verboten, für hohe politische Ämter zu kandidieren. Dennoch hat Karsai zwei notorische Warlords – Fahim und Khalili – bei der bevorstehenden Präsidentschaftswahl als seine Kandidaten für das Amt des Vizepräsidenten benannt. Diese Wahl wird überschattet von den Machenschaften der Warlords und von der Korruption; sie findet in einem besetzten Land statt: Deshalb fehlt ihr die Legitimationsgrundlage, denn es scheint so, als würde die wirkliche Auswahl (des Präsidenten) wieder einmal hinter verschlossenen Türen im Weißen Haus getroffen. Bei uns in Afghanistan gibt es dazu das Sprichwort: "Der gleiche Esel mit einem anderen Sattel!" Bisher verfolgt Obama in Afghanistan die gleiche Politik wie Bush. Durch die Entsendung weiterer Truppen und die Ausweitung des Krieges nach Pakistan wird nur neues Öl ins Feuer gegossen. Wie viele andere Afghanen habe auch ich in den dunklen Jahren der Taliban(-Herrschaft) mein Leben riskiert, als ich an Untergrundschulen Mädchen unterrichtet habe. Heute ist die Situation der Frauen genau so schlimm, wie sie (unter den Taliban) war. Opfer von Misshandlungen und Vergewaltigungen finden keine Gerechtigkeit, weil das Gerichtswesen von Fundamentalisten dominiert wird. Immer mehr Frauen sehen keinen anderen Ausweg aus einem Leben voller Leiden, als den Selbstmord durch Selbstverbrennung. In dieser Woche sagte US-Vizepräsident Joe Biden, in Afghanistan seien "weitere Verluste an Menschenleben unausweichlich", und die andauernde Besetzung (des Landes) diene dem "nationalen Interesse" der USA und Großbritanniens. Ich habe eine andere Botschaft für die Menschen in Großbritannien. Ich glaube nicht, dass es in Ihrem Interesse ist, mit anzusehen, wie noch mehr junge Leute in den Krieg geschickt und noch mehr Ihrer Steuergelder für eine Besetzung verschwendet werden, die einer Bande korrupter Warlords und Drogenbarone die Macht in Kabul sichert. Und was noch wichtiger ist: Dieses Blutvergießen muss nicht ewig weitergehen. Einige behaupten, wenn die ausländischen Truppen Afghanistan verließen, werde das Land in einen Bürgerkrieg stürzen. Ist das heute etwa kein Bürgerkrieg und keine Katastrophe? Je länger die Besetzung andauert, desto schlimmere Formen wird dieser Bürgerkrieg annehmen. Das afghanische Volk will Frieden, und die Geschichte lehrt uns, dass wir Besatzer immer vertrieben und jede Beherrschung von außen schließlich überwunden haben. Wir wünschen uns die helfende Hand internationaler Solidarität, aber wir wissen auch, dass Werte wie die Menschenrechte nur von den Afghanen selbst erkämpft und bewahrt werden können. Ich weiß, dass Millionen Menschen in Großbritannien dieser Konflikt so schnell wie möglich beendet sehen wollen. Deshalb können wir unsere Stimmen für Frieden und Gerechtigkeit auch gemeinsam erheben. (Quelle und Anmerkungen in Klammern: Luftpost Kaiserslautern) |








