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| Das Geld der Taliban |
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| Geschrieben von: Wolfgang Jung, Luftpost Kaiserslautern |
| Freitag, 28. August 2009 um 14:25 Uhr |
Das Geld der TalibanWer finanziert eigentlich Amerikas Feinde? Das wollen Sie wohl nicht wissen!Die Aufständischen machen praktisch bei jedem größeren Projekt ihren Schnitt. Sie können es Schutzgeld nennen oder von Erpressung reden; die Taliban ziehen es vor, von "Kriegsbeute" zu sprechen. Diese unterschiedlichen Bezeichnungen ändern nichts an der Tatsache, dass internationale Spender, in erster Linie die Vereinigten Staaten selbst, in großem Ausmaß ihren eigenen Feind finanzieren. "Jeder weiß, wie das läuft," sagte ein Offizieller aus der US-Botschaft, der sich aber nur privat dazu äußerte. Es ist fast unmöglich, festzustellen, was die Aufständischen ausgeben, und deshalb ist es auch schwierig, ihre Geldquellen einzuschätzen. Mullah Abdul Salaam Zaeef, der während der Taliban-Herrschaft Afghanistan als Botschafter in Pakistan vertreten hat, war wohl nicht ganz aufrichtig, als er der GLOBAL POST sagte, dass die Taliban-Kämpfer hauptsächlich von Luft leben. (Weitere Informationen u. a. über seine Inhaftierung in Gantánamo Bay sind aufzurufen unter http://en.wikipedia.org) "Die Taliban haben nicht viele Ausgaben," meinte er lächelnd. "Sie sind barfüßig und hungrig, haben kein Dach über dem Kopf und nur einen Stein als Kopfkissen." Als wir nach Waffen fragten, zuckte er nur mit den Schultern. "Afghanistan ist voller Waffen," meinte er. "Wir haben genug Waffen für viele Jahre." Die Wirklichkeit sieht natürlich anders aus. Die Taliban müssen die Kämpfer, die sie in den Dörfern rekrutieren, für ihre Dienste bezahlen. Auch die (meist brandneuen) Fahrzeuge mit Allradantrieb, die sie bevorzugen, kosten Geld. Sie müssen ihre Truppen verköstigen, deren Transport und die ärztliche Behandlung ihrer Verwundeten bezahlen und natürlich Raketen, Granaten und ihre geliebten Kalaschnikows (Sturmgewehre aus Russland) kaufen. Bis vor kurzem gingen die meisten Experten davon aus, dass sich die Taliban hauptsächlich über den Rauschgifthandel finanzieren. Aber nach neuesten Meldungen sind sie jetzt geteilter Meinung. Einige Berichte sprechen von einer jährlichen Gesamteinnahme von etwa 100 Millionen Dollar, andere vermuten, dass sie im Jahr 300 Millionen Dollar aus den Drogenhandel kassieren; aber auch das wäre nur eine kleiner Anteil der Einnahmen aus dem Mohnanbau, die auf insgesamt 4 Milliarden Dollar geschätzt werden. Jetzt haben Regierungsbeamte eine Suche nach den Finanziers der Taliban gestartet. Richard Holbrooke, der US-Sondergesandte für Afghanistan und Pakistan, sagte letzten Monat auf einer Pressekonferenz in Islamabad, dass der Rauschgifthandel in weit geringerem Maße die Kassen der Taliban fülle, als man bisher dachte. "In der Vergangenheit gab es die Annahme, sämtliches Geld (der Taliban) stamme aus dem afghanischen Rauschgifthandel," sagte Holbrooke nach Medienberichten. "Das ist aber nicht wahr." Nach neueren Vermutungen stammt weniger als die Hälfte des Geldes, das die Kriegskasse der Taliban füllt, aus dem Mohnanbau; der größere Teil kommt aus einer Vielzahl anderer Quellen, auch von privaten Spendern aus Staaten am Persischem Golf, die hohe Zahlungen leisten. Holbrooke sagte Reportern, er werde einen Mitarbeiter des Finanzministeriums in seinen Stab aufnehmen, der die Finanzierung der Taliban untersuchen solle. US-Offizielle sollten aber zuerst einmal in ihrem eigenen Hinterhof nachsehen. Es gibt viele Hinweise darauf, dass die Taliban einen großen Teil der Hilfsgelder kassieren, die aus dem Ausland nach Afghanistan fließen. Der geht weit über erpresste Schutzgelder und vor Ort eingetriebene "Steuern" hinaus; nach Angaben informierter Kreise wird (bei allen Investitionsvorhaben) der Anteil der Taliban in Verhandlungen zwischen Unternehmensleitungen und hochrangigen Taliban-Abgesandten ausgehandelt. In einem unauffälligen Büro in Kabul residiert ein Taliban-Vertreter, der Angebote entgegennimmt und Prozentsätze mit den Firmen aushandelt. Er spricht nicht mit Journalisten und trifft sich auch nicht mit ihnen, aber Informanten, die mit ihm gesprochen und Dokumente eingesehen haben, sagen, dass er seinen Auftrag sehr professionell erfüllt. Der Manager eines afghanischen Unternehmens, das lukrative Bauaufträge für die US-Regierung ausführt, rechnet ein Minimum von 20 Prozent als Anteil der Taliban in seine Kostenvoranschläge ein. Der Mann, der das natürlich nicht offen, sondern nur in privaten Gesprächen mit Freunden zugibt, lässt wissen, dass er im Monat etwa eine Million Dollar macht, von denen 200.000 Dollar den Taliban zufließen. Wenn Verhandlungen zu keinem Ergebnis führen, nimmt das Projekt Schaden – Straßenbauarbeiter können angegriffen und getötet, Brücken vernichtet und Bauingenieure ermordet werden. Der Grad der Zusammenarbeit und Koordination zwischen den Taliban und einzelnen Unternehmen ist verblüffend und wäre den Geldgebern wahrscheinlich äußerst unangenehm. Ein afghanischer Auftragnehmer hat im privaten Kreis über ein Projekt berichtet, das er im gefährlichen Süden des Landes ausführte. Der Name der Provinz und des speziellen Projektes dürfen nicht erwähnt werden. "Ich baute eine Brücke," sagte er eines Abends bei einem Umtrunk. "Der örtliche Taliban-Kommandeur rief mich an und sagte: 'Baut dort keine Brücke, wir werden sie sonst zerstören müssen.' Ich bat ihn darum, mich die Brücke fertigstellen und das Geld kassieren zu lassen – dann könne er sie zerstören, wann immer er wolle. Wir einigten uns, und ich konnte mein Projekt vollenden." Im Süden kann kein Auftrag durchgeführt werden, ohne dass die Taliban mitkassieren, manchmal sogar mehrmals im Lauf der Arbeiten. Ein Auftragnehmer verhandelte in der südlichen Provinz Helmand mit einem Lieferanten vor Ort über eine große Lieferung von Rohren. Weil die Rohre aus Pakistan gebracht werden mussten, berechnete der Lieferant einen an die Taliban abzuführenden Aufschlag von 30 Prozent, um sicherzustellen, dass die Rohre sicher in Lashkar Gah ankamen. Als die Rohre dem Auftragnehmer übergeben wurden, musste er erneut mit den Taliban verhandeln, um die Rohre sicher zu seiner Baustelle zu bekommen. Das verteuerte natürlich die Transportkosten. "Wir gehen davon aus, dass unsere lokalen Partner Provisionen an die Taliban bezahlen," sagte der für das Projekt verantwortliche ausländische Unternehmer. Aus der Provinz Farah haben örtliche Beamte berichtet, dass die Taliban bis zu 40 Prozent des Geldes einstreichen, welches das Nationale Solidaritätsprogramm, eines der erfolgreichsten Wiederaufbauprojekte des Landes, erhält; das hat im Lauf der letzten sechs Jahre Hunderte von Millionen Dollars über ganz Afghanistan verteilt. Viele Afghanen sehen kein Unrecht darin, wenn die Militanten einen angemessenen Anteil der Hilfe aus dem Ausland abbekommen. "Das ist doch internationales Geld," sagte ein junger in Kabul ansässiger Afghane. "Sie nehmen es ja nicht unseren Leuten weg, sondern ihren Feinden." Aber in Gebieten, die wieder von den Taliban beherrscht werden, erpressen die Aufständischen auch Geld von ihren eigenen Leuten. In der kriegsverwüsteten Provinz Helmand, die seit zwei Jahren fast ganz von den Taliban kontrolliert wird, murren die Einheimischen über die hohen Abgaben. "Es ist eine Katastrophe," sagte ein 50-jähriger Bewohner des Bezirks Marja. "Wir müssen ihnen von unserer Mohnernte zwei Kilo Mohnpaste pro Jerib (etwa ein ha Anbaufläche) abliefern; und dann nehmen sie uns als "Ushr" (eine islamische Steuer) auch noch ein Zehntel unserer Weizenernte ab. Dann wollen sie noch die "Zakat" (das im Islam vorgeschriebene Zehntel des Besitzes als Spende für die Armen). Jetzt ist ihnen sogar noch etwas Neues eingefallen. Jeder Haushalt soll zusätzlich 12.000 pakistanische Rupien (etwa 150 Dollar) zahlen, und keine Rupie weniger!" Das stimmt natürlich alles, ist aber alles relativ: Selbst wenn die Taliban im Stande wären, eine Milliarde Dollar pro Jahr zu erpressen – was dem geschätzten Höchstbetrag nahe käme – entspräche das nur der Summe, welche die Vereinigten Staaten zur Zeit in nur 10 Tagen dieses Krieges ausgeben, um sie zu besiegen. (Wir haben den Artikel komplett übersetzt und mit Anmerkungen in Klammern versehen. Die US-Journalistin Jean MacKenzie arbeitet zur Zeit für das Institute for War and Peace in Afghanistan und bildet einheimische Journalisten aus. Informationen über sie sind aufzurufen unter www.globalpost.com. Die GLOBAL POST ist eine erst Anfang diesen Jahres gegründete US-Internet-Zeitung, über deren Ziele Sie sich unter www.globalpost.com informieren können.) Quelle: www.luftpost-kl.de |








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