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Hintergrund
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| Lockerbie - Megrahi wurde in die Pfanne gehauen |
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| Geschrieben von: www.Antikrieg.com |
| Samstag, 12. September 2009 um 00:00 Uhr |
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Allgemeines Entsetzen darüber, dass ein sterbender Mann länger als vorgeschrieben leben sollte, ehe er „für sein furchtbares Verbrechen bezahlt“: so die schottische Justizministerin Kenny McAskill, deren „Mitleid“ es Abdelbaset Ali Mohmed al-Megrahi gestattete, nach Libyen heimzukehren, um „Gerechtigkeit von einer höheren Macht zu empfangen.“ Amen. Der amerikanische Satiriker Larry David bezeichnete einmal einen redegewandten alten Freund als „eine geschwätzige Flut von Scheiße.“ Damit ist der Zirkus um die Entlassung Megrahis wohl am besten beschrieben. Niemand an höherer Stelle hatte genug Schneid, die Wahrheit über das Bombenattentat über dem schottischen Dorf Lockerbie am 21. Dezember 1988 zu sagen, durch das 270 Menschen getötet wurden. Die Regierungen in England und Schottland erpressten Megrahi praktisch mit dem Zurückziehen seiner Berufung als Bedingung für seine umgehende Entlassung. Freilich gab es auch Öl- und Waffengeschäfte mit Libyen, aber wäre Megrahis Berufungsverfahren fortgesetzt worden, hätten rund 600 Seiten neuer und absichtlich unterdrückter Beweise seine Unschuld besiegelt und uns mehr als einen Einblick gegeben, wie und warum er „strategischen Interessen“ geopfert worden ist. „Letztlich lief es auf Schadensbegrenzung hinaus,“ sagte der ehemalige CIA-Beamte Robert Baer, der an der ersten Untersuchung beteiligt war, „da die Beweislage, die sich im Lauf von Megrahis Berufung ergeben hat, explosiv ist und ein äußerst schlechtes Licht auf das Justizsystem wirft.“ Neue Zeugen hätten aufgezeigt, dass es unmöglich war, dass Megrahi Kleidungsstücke gekauft hat, die im Wrack der Maschine der Pan Am gefunden wurden – er wurde durch die Zeugenaussage eines maltesischen Geschäftsbesitzers überführt, der behauptete, er habe ihm diese verkauft, dann in 19 verschiedenen Aussagen eine falsche Beschreibung von ihm abgab und ihn auch im Gerichtssaal nicht erkannte. Die neuen Beweise hätten auch gezeigt, dass ein Teil einer Platine und eines Zeitzünders, „gefunden” auf der grünen Wiese in Schottland, von dem behauptet wurde, es hätte sich in Megrahis Koffer befunden, wahrscheinlich untergeschoben worden ist. Ein gerichtlicher Sachverständiger fand keinerlei Spur einer Explosion daran. Der neue Beweis würde die Unmöglichkeit darlegen, dass die Bombe ihre Reise in Malta begonnen habe, ehe sie unentdeckt durch zwei Flughäfen in den Flug 103 „geschleust“ wurde. Ein “geheimer Schlüsselzeuge” beim Hauptverfahren, der behauptet hatte, er habe Megrahi und den mit ihm angeklagten al-Alim Khalifa Fahimah (der dann freigesprochen wurde) gesehen, wie sie die Bombe am Frankfurter Flughafen in das Flugzeug geladen hätten, war von der Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika gekauft, die ihn als „geschützten Zeugen“ führte. Die Verteidigung entlarvte ihn als CIA-Informanten, der im Falle der Verurteilung des Libyers bis zu $ 4 Millionen als Belohnung kassiert hätte. Megrahi wurde von drei schottischen Richtern verurteilt, die in einem Gerichtssaal im “neutralen” Holland tagten. Es gab keine Jury. Einer der wenigen Reporter, die das lange und oft absurde Verfahren durchhielten, war der kürzlich verstorbene Paul Foot, dessen herausragende Untersuchung in ‚Private Eye’ es als Kakophonie grober Fehler, Täuschungen und Lügen brandmarkte: eine Reinwaschung. Obwohl sie eine „Menge widersprüchlicher Beweise“ beanstandeten und die Fantasien des CIA-Informanten zurückwiesen, sprachen die schottischen Richter Megrahi schuldig aufgrund von Gerüchten und unbewiesenen Umständen. Ihre 90 Seiten lange „Urteilsbegründung,“ schreibt Foot, „ist ein bemerkenswertes Dokument, das einen Ehrenplatz in der Geschichte der britischen Justizirrtümer verdient.“ („Lockerbie – the Flight from Justice” von Paul Foot kann von der Website Private Eye heruntergeladen werden). Foot berichtete, dass die meisten Angestellten der US-Botschaft in Moskau, die Sitze in Pan Am-Flügen von Frankfurt gebucht hatten, diese stornierten, nachdem sie von US-Geheimdiensten gewarnt worden waren, dass ein terroristischer Angriff geplant sei. Er bezeichnete Margaret Thatcher als „Architektin“ der Vertuschung, nachdem er enthüllt hatte, dass sie die unabhängige Untersuchung abgedreht hatte, die ihr Verkehrsminister Cecil Parkinson den Familien in Lockerbie versprochen hatte; und in einem Telefonat mit Präsident George Bush sen. am 11. Januar 1990 stimmte sie zu, die Katastrophe „herunterzuspielen“, nachdem ihre Geheimdienste berichtet hatten, die Lockerbie-Bombe sei „ohne jeden Zweifel“ von einer Palästinensergruppe im Auftrag Teherans als Vergeltung für den Abschuss eines iranischen Verkehrsflugzeuges durch ein Kriegsschiff der Marine der Vereinigten Staaten von Amerika in iranischen Gewässern gelegt worden. Unter den 290 Toten waren damals 66 Kinder. 1990 wurde der Kapitän des Schiffs von Bush sen. mit dem Legion of Merit ausgezeichnet für „besonders verdienstvolle Führung bei der Erbringung herausragender Leistungen als kommandierender Offizier.“ Als Saddam Hussein 1991 in Kuwait einmarschierte, brauchte Bush perverserweise die Unterstützung Irans für eine “Koalition”, um seinen eigensinnigen Klienten aus der amerikanischen Ölkolonie zu vertreiben. Libyen war das einzige Land, das nicht vor Bush in die Knie ging und Irak unterstützte. „Wie faule und überfütterte Fische,“ schrieb Foot, „schnappten die britischen Medien den Köder. In einem fast einstimmigen Chor machten sie Lybien in wüster Weise herunter und befürworteten kriegerische Aktionen gegen dieses Land.“ Die Schuldzuweisung für das Lockerbie-Attentat an Libyen war unausweichlich. Später hat ein Bericht eines US-Geheimdienstes, der unter Freedom of Information (Gesetz über die Informationsfreiheit) an die Öffentlichkeit kam, diese Wahrheiten bestätigt und den wahrscheinlichen Bomber identifiziert – er sollte das Kernstück von Megrahis Verteidigung bilden. 2007 ließ die schottische Berufungskommission Megrahis Berufung zu. „Die Kommission ist der Auffassung,“ sagte deren Vorsitzender Dr. Graham Forbes, „dass unsere langen Untersuchungen, die neuen Beweise, die wir gefunden haben und andere Beweise, die noch nicht im Verfahren behandelt worden sind ergeben könnten, dass der Angeklagte einem Justizirrtum zum Opfer gefallen ist.“ Der Begriff „Justizirrtum“ fehlt gänzlich in der derzeitigen Aufregung, in der Kenny MacAskill dem heulenden Mob versichert, dass dem Sündenbock in Bälde Gerechtigkeit von „höherer Macht“ widerfahren werde. Was für eine Schande. Von John Pilger, erschienen am 4. September 2009 auf www.antiwar.com, Überrsetzung von www.antikrieg.com |







